
Die ältesten gefundenen Fragmente von diesem Typ Rüstung werden datiert auf das 4. Jahrhundert v. Chr. Es existieren mehr oder weniger direkte Beweise, die das Erfinden des Ringpanzers in mehreren Kulturen begründen. Im europäischen Raum wurde er höchstwahrscheinlich von den Kelten erfunden, aber den breiteren Einsatz fand er bei den Römern, die diese gute Art von Körperschutz direkt übernommen haben, ab dem 1 Jahrhundert n.Chr. Die meisten Rüstungen bestehen aus abwechselnden Reihen von massiven Ringen(feuerverschweißt) oder solchen mit überlappenden und vernieteten Enden .Diese Bauweise wurde bis in das 14. Jahrhundert verwendet. Bei Exemplaren aus dem Spätmittelalter ist es eindeutig bewiesen, dass die massiven Ringe aus Metal ausgestanzt worden sind, doch bei den früheren ist das nicht genau festzustellen. Tatsache ist, dass nach dem 14. Jahrhundert die Ringpanzer nur aus vernieteten Ringen bestehen; diese Veränderung hat immer noch keine plausible Erklärung gefunden.
Der größte Unterschied zwischen der Ringbauweise in Früh- und Spät-Mittelalter ist die Weise wie der Rüstungsmacher der Draht hergestellt hat. Der wurde nämlich zuerst geschmiedet auf den richtigen Durchmesser, später wurde die Methode entwickelt, die auch heutzutage verwendet wird. Im 14. Jahrhundert hat sich das Drahtziehen zum eigenständigen Beruf etabliert, der Drahtzieher hat mittels starker Winden ein Stück grob geschmiedeten Draht durch mehrere kleiner werdende Löcher in einem harten Eisenblock gezogen.
Die restlichen Tätigkeiten sind gleich geblieben. Der Draht wurde auf eine Stange gewickelt und danach zu einzelnen Ringen geschnitten. Die Enden der Ringe mussten überlappend sein, damit man sie fest miteinander vernieten kann.
Die Frühmittelalterlichen Rüstungen weisen Nieten mit rundem Querschnitt auf, soweit nachweisbar, und die spätmittelalterlichen werden mit flachen Nieten festgemacht!
Ungefähr so hat es im Mittelalter ausgesehen. Rüstungsbauen ist Schwerarbeit gewesen, die viel Kraft, Zeit und Können verlangt hat. Deshalb war der Preis einer Rüstung unerschwinglich hoch und die Rüstungsschmiede sind angesehene Handwerker gewesen. Heute ist das Geheimnis des Ringpanzerbaus kein Geheimnis mehr. Jeder der bereit ist ein Minimum an Fleiß , Geduld und Zeit zu investieren kann einen "echten " Ringpanzer bauen.
Ausgangsmaterial: Natürlich kann man auch selbst Draht schmieden oder ziehen, man kann ihn aber auch kaufen. Im allgemeinen gilt: Größere Mengen sind billiger als kleine, die spezialisierten Draht-Händler billiger als Baumarkt. Beim Kauf muss man auch überlegen, was für einen Panzer man bauen will. Für nicht vernietete Ringe braucht man dickeren Draht mit guten Federeigenschaften, für vernietete aber weicheren Draht, den man mit einer Zange durchlochen kann. Draht gibt es in unterschiedlichen Ausführungen: teueren Edelstahl, galvanisch verzinkt, oxidiert und geglüht. Für offene Ringe würde ich als beste Alternative empfehlen, verzinkten Federstahl-Draht zu benutzen. Die störende Beschichtung kann man ziemlich leicht mit handelsüblichem Tafelessig verstärkt mit Essigessenz wegätzen.
Den Durchmesser muss man auch geschickt wählen. Für offene Ringe ist der Faktor 5 bewährt, d.h. bei Ringdurchmesser von 10mm hat der Draht 2mm Durchmesser, bzw. bei 8mm bei 1,5mm. Bei vernietetem Geflecht kann man auch dünneren Draht verwenden und den Panzer leichter machen, ohne Stabilität zu verlieren.
Werkzeug: Bis auf einen Bolzenschneider oder einen modifizierten Seitenschneider nichts Spezielles .
Ringe:
Ringe drehen: Man braucht eine Metallstange mit Durchmesser gleich dem Innendurchmesser der Ringe. An einem Ende der Stange wird ein durchgehendes Loch gebohrt mit z.B. 2mm Bohrer. Dies ist eigentlich ziemlich egal, Hauptsache größer als der Durchmesser des Drahts. Diese Stange kann man in eine Bohrmaschine spannen oder eine einfache Wickelmaschine konstruieren. Ich persönlich benutze eine Wickelmaschine die viel mehr kann als nur Draht wickeln!! Es handelt sich um eine sehr stabile Konstruktion, bei welcher zwei massive Stahlplatten den Draht zum fast rechteckigen Querschnitt quetschen bevor er auf der Metallstange aufgewickelt wird. Wegen der größere Belastung ist hier eine Stahlstange zum draufwickeln nötig, sowie verhältnismäßig viel Kraft. Das wichtige ist, dass man so flache Ringe bekommt, die viel schwieriger aufgehen oder wenn man sie vernieten will, viel einfacher geplättet werden können ohne Ausschuss zu produzieren.
Ringe schneiden kann man mit Kneifzange, Bolzenschneider, oder modifiziertem Seitenschneider; das beste Werkzeug ist aber bestimmt eine Goldschmiede-Säge (etwa €30 im Fachhandel). Angeblich kann man auch mit einem Bolzenschneider eine gerade Schnittfläche erzwingen, in meiner Erfahrung aber ist das nicht der Fall. Mit Kneifzangen erzwingt man auch eine unschön spitze Schnittfläche, die etwa so aussieht >< .
Ringe plattschlagen ist nur nötig, wenn sie danach auch vernietet werden. Ich habe gelesen, dass das auch mit bloßem Hämmern gemacht werden kann, bei praktischen Versuchen habe ich aber keinen Erfolg gehabt. Ich habe einen modifizierten alten Meißel, mit Durchmesser größer als dem der Ringe benutz. So kann man den Hammerschlag gezielt 90° zu der Oberfläche führen.
Ringe lochen:
Die Nieten gestaltet man am einfachsten dreieckig, so wie es im 14. Jahrhundert üblich war. Man nimmt dafür weichgeglühten Draht, hämmert ihn flach und schneidet davon kleine Keile, die eigentlichen Nieten.
Vernieten:
Flechten: Es gibt unterschiedliche Flechtarten, jedoch diejenige, die als "europäisch" bekannt ist, ist das 4 in 1. Das bedeutet, dass jeder Ring in der Regel mit vier anderen verbunden ist.
Ein Stück Kettengeflecht besteht ungefähr aus der gleiche Menge "offene" wie "geschlossene" Ringe. D.h. das man als Vorbereitung zuerst eine bestimmte Menge Ringe herstellen und etwa gleich viel auch aufmachen kann.
Danach nimmt man 4 geschlossene Ringe und verbindet sie durch einen offenen. Diese "Quinteten " verbindet man danach mit offenen Ringen, indem man 2 Ringe von dem einen und 2 Ringen von dem anderen nimmt. Am Ende hat man eine Kettenreihe, die mit den restlichen offenen Ringen zu einer anderen solchen Reihe verbunden wird oder zum fertigen Stück Geflecht.
Schnittmuster: Wenn man immer 4 in 1 webt wird das Stück Geflecht immer rechteckig .Bei einem Kleidungsstück sind aber auch geschwungenen Linien notwendig. Diese erreicht man in dem man das Geflecht am Stellen breiter oder schmaler macht, indem man mit einem Ring drei oder vier andere verbindet. Diese Unregelmäßigkeiten fallen bei der fertige Rüstung nicht auf, wenn der Schnitt gut gelungen ist. Zum Glück dauert das Flechten so lange, dass man richtig viel Zeit zum Überlegen hat, ob an einer bestimmten Stelle noch ein paar Reihen nötig sind oder nicht. Außerdem ist das Kettengeflecht recht dehnbar!
Die Schnittmuster sind recht unterschiedlich gewesen, was fast schwer zu glauben ist!
Die Kelten hatten kurze ärmellose Rüstungen mit extra auf Leder aufgenähtem Stück Kettengeflecht zur Verstärkung der Schulter.
Die Römer haben diesen Rüstungstyp ziemlich genau übernommen.
Im Frühmittelalter waren die Ringpanzer im allgemeinen kurzärmelig und hüftlang mit T-Shirt-Schnitt.
Mit der Zeit wird der Ringpanzer zum "Kettenhemd", was ein sehr moderner Begriff aus der viktorianischen Zeit ist. Das Kettenhemd wird immer größer, die Ausarbeitung immer feiner , die Ringe immer kleiner, man trägt dazu auch extra Beinlinge aus Kettengeflecht.
Infanteristen tragen Hemden mit zwei seitlichen Schlitzen. Ich als Infanterist habe diese Trageweise probiert und bin nicht damit zu Recht gekommen.
Die Kavallerie trägt Hemden mit "Reiter-Schlitz", also vorne und hinten.
Der Schnitt ändert sich weiter. Die Ritter und Berittenen nutzen Hemden, bei denen die Ringreihen am Körper und Ärmel parallel zu einander verlaufen, also kein T-Shirt mehr. Im 14. Jahrhundert, und später auch, trägt man Ringpanzer unter der Stoffrüstung, Brustplatte oder Brigandine. Diese Rüstungen wurden wieder kürzer, ansonsten wäre wahrscheinlich das Gewicht der kompletten Panzerung unerträglich gewesen.