Meine Kindheit war unbeschwert und schön. Mein Vater war oft lange Zeit mit meinem Opa weit weg in der Ferne, und auf Ihrer Rückkehr hatten sie immer die schönsten und teuersten Dinge mitgebracht. Meine Mutter und ich hingegen kümmerten uns zu Hause um den Hof und gingen unseren täglichen Handwerkskünsten nach, die sie mir schon sehr früh beibrachte. Zusammen haben wir oft stundenlang gewebt, gesponnen oder wunderschöne Glasperlen gemacht.
Eines Tages im Jahre 957 kam mein Vater alleine von Ihrer letzten Fahrt nach Hause, sein Gesicht schien traurig. Er drückte meine Mutter und mich an sich und überbrachte uns die traurige Nachricht, dass mein Opa bei ihrer letzten Schlacht sein Leben lies. Er legte mir eine Bernsteinkette um den Hals und sagte dies sei ein letztes Geschenk von meinem Opa an mich, er hatte sie bei seinem letzten Handel extra für seine kleine Snjoka ausgesucht. Von nun an trug ich die Kette immer bei mir, sie erinnerte mich daran was für ein tapferer Mann mein Opa war, wie viel ich ihm bedeutet hatte und ich sah sie als eine Art Glücksbringer in meinem Leben.
Meinen Vater zog es weiterhin in die Ferne, zu sehr hatte er sich mit den Jahren an das Leben eines Nordmannes gewöhnt, wenn auch in ihm immer noch das Herz eines Kelten schlug. Doch die Zeiten wurden immer magerer, schon lange konnte er nicht mehr so viele Schätze mit nach Hause bringen wie einst. So entschloss er sich erstmal einige Zeit zu Hause zu bleiben und wieder seinem gelernten Handwerk, dem Schmieden, nachzugehen. So vergingen einige Jahre, ich genoss es sehr, meinen Vater so lange Zeit um mich zu haben, oft nahm er mich mit zur Jagd, oder er erzählte mir die lustigsten Geschichten, die mein Opa und er bei Ihren vielen Fahrten erlebten.
Irgendwann im Sommer 961 kam ein junger, charmanter Bursche in unser Dorf, Vargur war sein Name. Er befand sich auf der Suche nach seiner Schwester, die von einem Nordmann verschleppt wurde. Total geschwächt von seinem langen Weg bot mein Vater ihm erstmal einige Tage Rast auf unserem Hof an. Wir verbrachten viel Zeit miteinander. Abends saßen wir oft Stunden vorm Feuer und ich hörte ihm zu, wie er mir von seinem Heimatdorf und seiner Familie, von der, wie er so sehr hoffte, wenigstens noch seine Schwester am Leben war, erzählte. Ich muss zugeben, ich war von der ersten Sekunde an beeindruckt von diesem Fremden, der in mir ein Gefühl zuließ das ich bisher nie zuvor kannte. Doch viel zu kurz war unsere Zeit. Vagur musste weiterziehen, aber er versprach mir zurückzukehren und mich, wenn ich es denn möchte, zur Frau zu nehmen. Ich musste nicht lange überlegen, ich wusste sofort, dass ich mir ein Leben an eines Mannes Seite nur mit Ihm vorstellen konnte.
Nach einiger Zeit brach aus meinem Mann das Kriegerherz heraus, und es zog ihn immer öfters mit Hengest und Batbaian, die sich nie mehr aus den Augen verloren hatten, hinaus in die Ferne. Wenn Dreki und ich dann lange Zeit alleine sind, sitze ich oft da und schaue auf meine Bernsteinkette, die ich niemals von meinem Hals genommen habe, und ich weiß welches Glück ich in meinem Leben habe. Ich bin glücklich einen Mann wie Vagur gefunden zu haben und ich weiß, daß er, egal wie lange seine Reisen dauern, immer wieder voller Liebe zu uns zurückkehren wird.